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Was ist Kanna (Sceletium tortuosum)?

Sceletium tortuosum, im Deutschen meist als Kanna oder Channa bezeichnet, ist eine sukkulente Pflanze aus der Familie der Eiskrautgewächse (Aizoaceae), die in den ariden Regionen Südafrikas heimisch ist[1][2]. Sie wird seit Jahrhunderten von Khoi- und San-Gemeinschaften genutzt und ist heute Gegenstand intensiver botanischer, ethnobotanischer und pharmakologischer Forschung[2][3].

Dieser Beitrag erklärt, was Kanna aus botanischer Sicht ist, beschreibt sein natürliches Verbreitungsgebiet, seine traditionelle kulturelle Rolle und fasst zentrale Aspekte der modernen Forschung zusammen – ohne Konsumempfehlungen oder gesundheitsbezogene Aussagen[2][4].


Botanische Einordnung und Merkmale

Kanna gehört zur Gattung Sceletium innerhalb der Familie Aizoaceae, zu der zahlreiche sukkulente Arten des südafrikanischen Winterregengebiets zählen[1][5]. Historisch wurde die Art in älterer Literatur auch unter dem Namen Mesembryanthemum tortuosum geführt, bevor sich die heutige Gattungszuordnung Sceletium tortuosum durchsetzte[5].

Die Pflanze ist eine niedrig wachsende, kriechende Sukkulente mit fleischigen, meist gegenständigen Blättern und relativ kleinen, margueritenähnlichen Blüten, die in Weiß- bis Gelbtönen erscheinen können[1][5]. Unter Trockenstress weisen die Pflanzen eine charakteristische „Skelettierung“ der Blattnerven auf – ein Merkmal, das zur Namensgebung der Gattung (Sceletium = „kleines Skelett“) beigetragen hat[1].

Die unterirdischen Teile bestehen aus einem verzweigten Wurzelsystem, das an sandige, nährstoffarme Böden angepasst ist[1]. Kanna ist endemisch in bestimmten Regionen des westlichen und südlichen Kap-Gebiets in Südafrika und wächst dort häufig in Fels- und Buschlandhabitaten mit winterlicher Niederschlagsdominanz[2].


Verbreitung, Ökologie und Schutz

Das natürliche Verbreitungsgebiet von Sceletium tortuosum liegt im heutigen Südafrika, insbesondere in Teilen der Provinzen Northern Cape und Western Cape, innerhalb der Biodiversitäts-Hotspots Succulent Karoo und Fynbos[2][6]. Diese Regionen sind durch winterliche Niederschläge, trockene Sommer und hohe Sonneneinstrahlung geprägt, was zur Ausbildung spezieller Anpassungsmechanismen bei sukkulenten Pflanzen führt[6].

Kanna wächst typischerweise auf sandigen oder kiesigen Böden, häufig in felsigen Hängen, offenen Buschlandschaften oder entlang von saisonalen Wasserläufen[2]. Als niedrig wachsende Pflanze trägt sie zur Bodenstabilisierung bei und bildet zusammen mit anderen endemischen Sukkulenten charakteristische Pflanzengesellschaften der Karoo-Region[6].

Durch Überweidung, Habitatverlust und nicht nachhaltige Wildsammlung gilt Sceletium tortuosum in manchen Gebieten als potenziell gefährdet[2]. Verschiedene Projekte in Südafrika verfolgen daher den Ansatz, Kanna gezielt zu kultivieren, um den Druck auf Wildbestände zu reduzieren und gleichzeitig die traditionelle Nutzung in Khoisan-Gemeinschaften über Benefit-Sharing-Modelle abzusichern[2][7].


Traditionelle Nutzung und kulturelle Bedeutung

Pflanzen der Gattung Sceletium haben eine lange Tradition in Khoi- und San-Kulturen, die zu den ältesten indigenen Bevölkerungsgruppen des südlichen Afrikas zählen[2][3]. Historische Quellen und ethnobotanische Berichte deuten darauf hin, dass Kanna über Jahrhunderte als wichtiger Bestandteil des alltäglichen Lebens, in sozialen Kontexten und in spirituellen Praktiken diente[3][8].

Die Pflanze wurde traditionell geerntet, fermentiert und anschließend getrocknet; aus dem getrockneten Pflanzenmaterial wurden verschiedene Zubereitungen hergestellt, wozu unter anderem Kauen (kougoed, Afrikaans für „kaugbare Sache“) und andere Applikationsformen gehörten[3][5][8]. Berichte erwähnen auch den Einsatz in sozialen Zusammenkünften und Ritualen, bei denen Kanna als kulturelles Element in Gemeinschaftsaktivitäten eingebunden war[3][8].

In der traditionellen Medizin wurde Kanna von Khoisan-Gemeinschaften unter anderem im Zusammenhang mit Empfindungen wie Müdigkeit, Hunger, Durst oder emotionalem Stress erwähnt, wobei genaue Anwendungen je nach Region und Gruppe variieren und meist mündlich überliefert wurden[3][8][9]. Einige historische Autoren beschrieben außerdem den Einsatz bei Beschwerden wie Zahn- oder Bauchschmerzen, ohne dabei moderne Diagnosebegriffe zu verwenden[1][9].

Durch Kolonisierung, Landenteignung und kulturelle Unterdrückung gingen Teile dieses überlieferten Wissens in den letzten Jahrhunderten verloren oder wurden marginalisiert, was heute die Rekonstruktion der ursprünglichen Nutzungsmuster erschwert[3][8]. Aktuelle ethnobotanische Projekte arbeiten daher eng mit Khoisan-Vertretern zusammen, um traditionelles Wissen zu dokumentieren und in Benefit-Sharing-Modelle einzubinden[2][7].


Phytochemie: Alkaloide und Inhaltsstoffe

Die moderne phytochemische Forschung hat gezeigt, dass Sceletium tortuosum eine charakteristische Gruppe von Alkaloiden enthält, die strukturell zu den sogenannten Mesembrin-Alkaloiden zählen[4][10]. Zu den wichtigsten bisher identifizierten Verbindungen gehören Mesembrin, Mesembrenon, Δ7-Mesembrenon, Mesembrenol und Tortuosamin, daneben wurden eine Reihe weiterer, strukturell verwandter Alkaloide beschrieben[4][10][11].

Ein klassischer Review aus den 1990er-Jahren fasste frühere Daten zusammen und zeigte, dass verschiedene Sceletium-Arten als psychoaktive Masticatorien beschrieben wurden, wobei die Mesembrin-Alkaloide als maßgebliche Inhaltsstoffe angesehen werden[11]. Neuere Arbeiten haben diese Alkaloidprofile differenziert und gezeigt, dass Kultivare hinsichtlich der relativen Anteile einzelner Alkaloide variieren können[4][10].

Eine aktuelle experimentelle Studie von 2024 untersuchte standardisierte Kanna-Extrakte und isolierte Alkaloide in vitro sowie in Tiermodellen und kam zu dem Ergebnis, dass insbesondere Mesembrin wesentlich zu bestimmten beobachteten Effekten beiträgt, während das Zusammenspiel mehrerer Alkaloide für andere Effekte verantwortlich sein könnte[12]. Die Autoren betonen, dass mögliche Synergien innerhalb des Alkaloid-Spektrums weiter erforscht werden sollten, bevor klare Zuordnungen einzelner Wirkmechanismen getroffen werden können[12].

Neben Alkaloiden enthält Kanna, wie andere Sukkulenten, auch verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe wie Phenole, organische Säuren und Zucker, deren genaue funktionelle Bedeutung im Kontext der Pflanze und ihrer Umweltanpassungen noch nicht vollständig geklärt ist[4].


Moderne Forschung und Anwendungsfelder (ohne Health Claims)

In den letzten zwei Jahrzehnten hat das wissenschaftliche Interesse an Sceletium tortuosum deutlich zugenommen, was sich in einer steigenden Zahl pharmakologischer, ethnobotanischer und chemischer Publikationen widerspiegelt[4][10][11]. Untersucht werden unter anderem die Interaktion bestimmter Alkaloide mit Transportern und Rezeptoren des zentralen Nervensystems, die Pharmakokinetik standardisierter Extrakte und das Sicherheitsprofil in präklinischen Modellen[4][12].

Ein Schwerpunkt liegt auf der Charakterisierung von standardisierten Extrakten, die definierte Mengen an Mesembrin und verwandten Alkaloiden enthalten und in kontrollierten Studien in unterschiedlichen Kontexten evaluiert werden[4][12]. Dabei werden unter anderem Dosierungsbereiche, mögliche Nebenwirkungen, Interaktionspotenziale mit anderen Substanzen und langfristige Sicherheitsaspekte betrachtet[12].

Gleichzeitig rückt der Aspekt des „biocultural heritage“ stärker in den Fokus: Da Kanna tief in den Wissenssystemen der Khoisan verankert ist, betonen viele Autoren die Notwendigkeit, Forschungs- und Kommerzialisierungsprojekte in enger Abstimmung mit indigenen Gemeinschaften zu gestalten und faire Beteiligungsmodelle umzusetzen[2][7][8].

Im europäischen Kontext unterliegt Kanna – wie andere botanische Inhaltsstoffe auch – dem allgemeinen Lebensmittel- und Nahrungsergänzungsrecht, einschließlich der Regelungen zu neuartigen Lebensmitteln (Novel Foods) und gesundheitsbezogenen Angaben[13][14]. Das bedeutet, dass Produkte je nach Art der Verwendung und Historie einer eigenständigen Bewertung oder Zulassung unterliegen können und gesundheitsbezogene Werbeaussagen streng reguliert sind[13][14].


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Fazit: Kanna als kulturell und wissenschaftlich bedeutende Pflanze

Kanna ist mehr als nur ein „Trend-Botanical“: Die Pflanze verbindet jahrhundertealte indigene Wissenssysteme des südlichen Afrikas mit moderner phytochemischer und pharmakologischer Forschung[2][3][4]. Ihre Geschichte ist eng mit den kulturellen Praktiken der Khoi- und San-Gemeinschaften verknüpft und spiegelt zugleich die Herausforderungen wider, die entstehen, wenn traditionelles Wissen in globale Märkte übertragen wird[2][7][8].


Quellen und wissenschaftliche Literatur

  1. Sceletium.com. „History of Sceletium tortuosum (Kanna)“. 2024. https://sceletium.com/knowledge/history/
  2. African Budget Safaris. „African Culture: The Khoisan People & Their Plants“. 2024. https://www.africanbudgetsafaris.com/blog/african-cultures-the-khoisan-people-plants/
  3. Flo States. „The History of Kanna (Sceletium tortuosum) from Ancient African Medicine to Modern Day“. 2024. https://flostates.com/blogs/news/the-history-of-kanna-from-traditional-african-medicine-to-modern-day-relaxation-aid
  4. The Sceletium Source. „Chemistry & Pharmacology“. 2024. https://sceletium.org/chemistry/
  5. Wikipedia. „Mesembryanthemum tortuosum“. https://en.wikipedia.org/wiki/Mesembryanthemum_tortuosum
  6. HerbalGram / HerbMedPro. „Sceletium tortuosum: Traditional and Folk Use“. https://www.herbalgram.org/…/sceletium-tortuosum
  7. Sceletium.com. „Knowledge – History & Benefit Sharing“. 2024. https://sceletium.com/knowledge/history/
  8. Sceletium.org. „Articles & Ethnobotany of Sceletium“. https://sceletium.org/articles/
  9. Watt, J.M. & Breyer-Brandwijk, M.G. (1962). „The Medicinal and Poisonous Plants of Southern and Eastern Africa“. E. & S. Livingstone.
  10. The Sceletium Source. „Chemistry“. https://sceletium.org/chemistry/
  11. Smith, M.T. et al. (1996). „Psychoactive constituents of the genus Sceletium N.E.Br.: A review“. Journal of Ethnopharmacology, 50(3), 119–130.
  12. Coetzee, A. et al. (2024). „Sceletium tortuosum-derived mesembrine significantly contributes to anxiolytic-like effects of a standardized extract“. Journal of Ethnopharmacology. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37660956/
  13. EFSA. „Botanicals and derived preparations“. 2026. https://www.efsa.europa.eu/en/topics/topic/botanicals
  14. European Commission. „Novel Food – Applications and Authorisations“. 2023. https://food.ec.europa.eu/…/novel-food
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